21.07.2026
Schallschutz neu denken: Medicke MeetUp 2026 bringt Experten in Hamburg zusammen
Lärmschutz ist längst mehr als eine technische Detailfrage. Er beeinflusst, wie wir wohnen, arbeiten und Städte entwickeln. Wohnungen sollen bezahlbar bleiben, der urbane Raum verdichtet werden und gleichzeitig höchste Ansprüche an die Lebensqualität erfüllen.
Doch wie viel Ruhe ist dafür notwendig? Wie viel Lärm verträgt eine lebendige Stadt? Und wie lassen sich Schallschutz und wirtschaftliches Bauen miteinander verbinden? Fragen, die für die Bau- und Immobilienbranche zunehmend mehr an Bedeutung gewinnen und im Mittelpunkt des diesjährigen Medicke MeetUp in Hamburg standen. Anfang Juli diskutierten Architekten, Projektentwickler, Juristen, Bauherren und Fachplaner bei der zweiten Auflage unseres Expertenformats über Herausforderungen, innovative Lösungsansätze und wichtige Perspektivwechsel.
Zwischen Anspruch, Regulierung und Wirtschaftlichkeit
Den Auftakt machte Dieter Lang, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verwaltungsrecht bei Taylor Wessing. Er zeigte auf, wie stark Schallschutz heute von rechtlichen Rahmenbedingungen geprägt wird und welchen Einfluss Normen, gesetzliche Vorgaben und Genehmigungsverfahren auf die Entwicklung von Wohn- und Gewerbestandorten haben. Die Frage, warum Lärm in der Regel am geöffneten Fenster bewertet wird, lieferte Diskussionsstoff und demonstrierte die weitreichenden Auswirkungen bestehender Regelwerke auf die Nachverdichtung und das Wachstum neuer Quartiere. Der zentrale Zielkonflikt stand im Raum: Wie lassen sich hohe Anforderungen an den Gesundheitsschutz mit dem Bedarf an zusätzlichem Wohnraum und wirtschaftlich tragfähigen Projekten in Einklang bringen?
Mit Lärm gestalten statt nur vor ihm schützen
Manchmal reicht schon ein Perspektivwechsel, um Antworten zu finden. Den brachte Tina Kortmann von UNS mit. Ausgehend von ihrer Erfahrung in internationalen Projekten stellte sie die Frage, ob Lärm grundsätzlich als Problem betrachtet werden muss oder ob darin auch Potenziale für moderne Stadtentwicklung liegen. Anhand von Projektbeispielen aus den Niederlanden und Deutschland zeigte sie, wie durch intelligente Stadtplanung und Architektur selbst an stark belasteten Standorten eine hohe Aufenthalts- und Wohnqualität entstehen kann. Ihr Plädoyer: Lärmschutz beginnt nicht erst bei der Fassade oder am Fenster. Entscheidend ist ein ganzheitlicher Blick auf Quartiere, bei dem Infrastruktur, Nutzungsmischung und Freiräume von Anfang an gemeinsam gedacht werden.
Technische Lösungen für komplexe Anforderungen
Wie sich steigende Anforderungen in der Praxis umsetzen lassen, wusste Michael Pfister von Müller-BBM Building Solutions. Er stellte moderne Fassaden- und Fensterlösungen vor, die auch in lärmbelasteten Umgebungen ein hohes Maß an Komfort bieten. Schon heute eröffnen besondere Fensterkonstruktionen, Doppelfassaden und innovative Schallschutzkonzepte vielfältige Möglichkeiten. Doch auch die Kehrseite der Medaille wurde sichtbar. Die zunehmende Komplexität technischer Lösungen hat oftmals negative Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit, Planung und Architektur von Bauprojekten.
Komplexität strukturieren statt nur verwalten
Dass die Herausforderungen der Branche weit über technische Fragestellungen hinausgehen, zeigte auch Johannes Lichtenthaler, Head of (Service) Development und Investment bei Drees & Sommer. Unter dem Titel „Am Beispiel Lärmschutz: Komplexität ordnen, Verantwortung klug organisieren“ richtete er den Blick auf die Frage, wie Projekte trotz steigender Baukosten, regulatorischer Vorgaben und wachsender Marktunsicherheiten wirtschaftlich tragfähig bleiben können.
Sein Ansatz: Komplexität lässt sich nicht vermeiden, aber sinnvoll organisieren. Dafür braucht es transparente Prozesse, klar definierte Verantwortlichkeiten und die enge Zusammenarbeit spezialisierter Partner. Am Beispiel Schallschutz wurde deutlich, wie wichtig es ist, unterschiedliche Anforderungen frühzeitig aufeinander abzustimmen und Projektbeteiligte von Beginn an einzubinden.
Mindestens ebenso wichtig wie die Fachvorträge war der persönliche Dialog. Beim anschließenden Get-together wurden Diskussionen fortgeführt, Erfahrungen geteilt und neue Kontakte geknüpft. Gerade dabei zeigte sich, was den Abend prägte: Die Herausforderungen rund um Schallschutz lassen sich nicht aus der Perspektive einer einzelnen Disziplin lösen. Erst im Zusammenspiel von Architektur, Recht, Bauphysik und Projektentwicklung entsteht ein umfassender Blick auf die Aufgaben der Branche.
Mit dem Medicke MeetUp 2026 bot Medicke erneut einen Rahmen für den fachübergreifenden Dialog zu aktuellen Themen der Bau- und Immobilienbranche. Wir bedanken uns bei allen Referentinnen und Referenten, Gästen und Partnern für die wertvollen Impulse, den offenen Austausch und die spannenden Diskussionen und freuen uns darauf, den Dialog im kommenden Jahr fortzusetzen.